Valve löscht Maps – Was soll das?

Die meisten regelmäßigen Besucher dieser Seite werden wissen, dass mich ein Thema im Counter-Strike-Universum beschäftigt wie kein anderes: Maps. Als ich vor über 10 Jahren mit dem Spiel angefangen habe und als kleiner Noob immer mehr Server und immer mehr gute, schlechte, lustige, nervige, unfaire und ausbalancierte Maps kennen lernte, wurde mir schnell klar: Dass Elemente wie Movement, Gunplay und Missionsziel nur Teile eines größeren Puzzles sind, das wir Counter-Strike nennen. Aber warum erzähle ich euch das?

Wo sind meine Maps hin?

Zum Ende von Operation Hydra hat Valve ein doch recht umfangreiches Update für CS:GO veröffentlicht. Für mich endete eine der enttäuschendsten Operations und eine neue Seite im Buch wurde aufgeschlagen. Neben dem interessanten neuen „Trust“-Feature für das Matchmaking, übernommenen Spielmodi und dem Hinzufügen von Community-Maps ins Spiel, hat Valve für mich vor allen Dingen eines getan: Maps gelöscht!

Militia, Aztec, Vertigo und Dust (1) wurden direkt aus dem Spiel entfernt. ENTFERNT!!! Valve hat sie nicht in eine separate Gruppe geschoben, um sie aus dem Fokus zu nehmen. Nein, die Maps sind nicht mehr im Spiel enthalten. Sie können nicht mehr im Matchmaking oder Casual gespielt und nicht einmal über die Konsole gestartet werden. Sie können lediglich noch über den Workshop bezogen werden, doch das ist eine unnötige Hürde und sorgt dafür, dass die Maps quasi gar nicht mehr gespielt werden.

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cs_militia wurde erst überarbeitet, dann gelöscht.

Neue Spieler werden sich vielleicht die Frage stellen, warum diese eine Map eigentlich „Dust 2“ heißt – eine lustige Vorstellung. Klar kann man jetzt sagen: „Die entfernten Maps hat doch sowieso kein Schwein gespielt, stört doch niemand!“ Aber da liegt ihr falsch: ein Haufen Leute haben sich täglich über die Maps geärgert, aber auch gefreut! An dieser Stelle eine kleine Rechnung: Zur Zeit des Schreibens dieses Artikels spielen ca. 676 000 Menschen CS:GO. Angenommen 1% davon wollen jeweils eine der gelöschten Karten zocken, dann sind das 4% von 676000 – sprich 27 040 Spieler schauen in die Röhre.

Damit nicht genug: Ist „Die Maps werden von den wenigsten Spielern gespielt, deswegen nehmen wir sie aus dem Spiel.“ ein legitimer Ansatz? Klar, CS:GO gehört Valve, aber ohne Spieler und vor allem die Alteingesessenen wäre das Spiel nicht da, wo es heute ist. Valve ist also auch auf diese „alten“ Damen und Herren angewiesen. Generation Dust 2 stört es nicht, wenn „Kackmaps“ aus dem Spiel fliegen – die werden ja von den Pros sowieso nicht gespielt. Und genau da sind wir bei einem der Hauptprobleme. Wenn man immer so gedacht hätte, gäbe es wenig bis keine Maps. Auch „tolle competitive Maps“ wie Tuscan, Fire oder Mirage (Huch, wo kommt die denn her!?) wären nie entstanden, wenn Spieler und Ligen nicht auch mal etwas anderes ausprobiert hätten.

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de_mirage kommt aus der Community.

Lieber regt man sich 100 Mal über ein langweiliges und einseitiges Match auf Cobble oder Nuke auf, als dass man mal über seinen eigenen Tellerrand schaut und Vertigo oder „Atze“ spielt. Natürlich wird man dort derbe auf die Nase fallen, man kennt die Maps schließlich nicht gut genug und wird genauso untergehen wie auf Nuke, wenn man nicht weiß was man tut. Viele Spieler regen sich über „Vertigo-Globals“ auf und begründen das mit Sätzen wie: „Die spielen nichts anderes, deswegen sind die da so gut!“

Immer nur das Gleiche

Das bringt mich wieder zu den echten Pros bringt. Die Jungs spielen seit teilweise über einem Jahrzehnt die selben Maps – mit Ausnahme von Overpass – und beschweren sich, sobald sie etwas Neues lernen müssen. Ist auch klar, man entzieht ihnen die Sicherheit eines doch recht geregelten Einkommens. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn eine neue Map kommen würde, auf der plötzlich andere Teams dominieren.

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Overpass wurde anfangs weitgehend abgelehnt.

Valve hat dank der Vergabe ihrer Majors dafür gesorgt, dass sie quasi jede große Liga – entschuldigt den Ausdruck – bei den Eiern haben. Wer als Liga ernstgenommen werden will, muss Majors veranstalten – und dabei nach der Pfeife der Entwickler tanzen. Sonst bleiben Zuschauer und damit letztendlich Geld aus.

Um das nochmal zusammen zu fassen: Valve löscht Maps komplett aus dem Spiel, anstatt sie in einen separaten Pool zu verschieben. Die Community nimmt das hin, weil die meisten damit kein Problem haben, nur um danach rum zu heulen, wenn sie wieder und wieder den selben Mist vorgesetzt bekommen. Zu allem Überfluss greift die Community dann auch noch mit großem Genuss zu und lässt sich den dampfenden Haufen ordentlich schmecken – man kennt ja auch nichts anderes. Nicht, dass alle „aktuellen“ (größtenteils über 10 Jahre alten) Maps schlecht wären. Sie sind nur ausgelutscht.

Wo wäre Counter-Strike, wenn man mit dem Release der Version 1.0 aufgehört hätte? Auf jeden Fall wären uns einige ziemlich coole Maps durch die Lappen gegangen. Klar wurden auf dem Weg von damals bis heute einige Karten liegen gelassen und das muss auch nicht immer schlecht gewesen sein.

cs_siege_go screenshot

cs_siege gibt es für CS:GO nur als Community Map.

Aber schon mit CS:S hat Valve gezeigt, dass neue Karten eine eher niedrige Priorität haben. Damals hat die Community sich noch selbst um Diversität im Map Pool gekümmert. Heute nimmt man es einfach hin. Spieler, die sich öffentlich darüber beschweren, wie sehr sie an beispielsweise Vertigo hängen, werden von vielen ausgelacht und beschimpft. Aber wie würden diese Leute reagieren, wenn man ihr geliebtes Dust 2 aus dem Spiel löscht!?

Und Bevor mir jetzt einer sagt: „Im offiziellen Blog steht doch, dass Valve sich um die alten Maps kümmert und sogar neue macht. Erstens gibt es da die „Valve Time“ und zweitens wurden bisherige Maps niemals gelöscht, sondern nur aus dem offiziellen „Competitive Map Pool“ entfernt und in eine andere Gruppe gepackt. Zwei Tatsachen, die mich an der Wiederkehr zumindest mancher Karten in naher Zukunft zweifeln lassen.