Seoul/Tokio - Nordkorea hat sich über internationale Warnungen und Sanktionsandrohungen hinweggesetzt und nach eigenen Angaben erstmals einen Atombombentest unternommen. Der unterirdische Versuch sei sicher und erfolgreich gewesen, hieß es am Montag in den offiziellen Medien des kommunistischen Landes. Bei dem "historischen Ereignis" habe nicht die Gefahr eines Austretens von Radioaktivität bestanden. Während Nordkoreas Verhalten weltweit als Provokation verurteilt wurde, bereitete Pjöngjang offenbar einen weiteren Test vor.
Offenbar Vorbereitungen für weiteren Test
Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Mitglieder des parlamentarischen Geheimdienstausschusses in Seoul berichtete, deuteten Aktivitäten im Nordosten des Landes auf mögliche Testvorbereitungen hin. Der Chef des südkoreanischen Geheimdienstes, Kim Seung Gyu, habe dem Ausschuss von "ungewöhnlichen Bewegungen“ bei Punggyeri in der Region Kilju berichtet. Ein ungenannter Abgeordneter zitierte Kim mit den Worten, es sei möglich, dass Nordkorea einen weiteren Test vorbereite.
Erdbeben registriert
"Unverzeihliche Provokation": Nordkoreanische Soldaten an der chinesischen Grenze.
(Foto: AP)
Nordkorea hatte in der Nacht den ersten Test einer Atomwaffe bekannt gegeben. Über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA teilte die Regierung in Pjöngjang mit, der unterirdische Test sei sicher und erfolgreich verlaufen. Radioaktivität sei nicht in die Atmosphäre ausgetreten. Auch südkoreanische Experten machten keine erhöhte Radioaktivität aus. Institute in den USA, Japan und Südkorea bestätigten ein Erdbeben in Nordkorea. Südkoreanische Erdbebenexperten registrierten um 10.36 Uhr (3.36 Uhr MESZ) seismische Wellen, die auf eine künstliche Explosion hindeuteten.
"Mehr Zischen als Knall"
Die Regierung in Seoul berichtete unter Berufung auf das staatliche Geologie-Forschungszentrum, dass in einer abgelegenen Gegend der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten Nordkoreas eine Erderschütterung mit einer Stärke von 3,7 gemessen worden sei. Laut Experten war die Explosion jedoch von vergleichsweise geringem Ausmaß. Sie habe einer Sprengkraft von 550 Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffes TNT entsprochen, zitierten US-Medien eine staatliche südkoreanische Geologiebehörde. Die von den USA auf Hiroschima abgeworfene Atombombe hatte eine Sprengkraft von 12.500 Tonnen TNT, bei der Nagasaki-Bombe waren es 22.000 Tonnen TNT. Der US-Sender Fox News berichtete, US-Geheimdienstexperten gingen davon aus, dass der Test aus nordkoreanischer Sicht enttäuschend gewesen sei. Es habe sich mehr um ein "Zischen als um einen Knall" gehandelt.
Japan will Raketenabwehrsystem ausbauen
Seismologen maßen eine Erderschütterung mit einer Stärke von 3,7. (Foto: AP)
Der Test erfolgte kurz vor dem Beginn eines als historisch geltenden Gipfeltreffens zwischen Japans Ministerpräsident Shinzo Abe und dem südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Huyn in Seoul. Abe nannte den Test "unverzeihlich“. Er betonte die Wichtigkeit der bilateralen Beziehungen zwischen Japan und Südkorea, zwischen denen aus historischen Gründen Spannungen herrschen. Zudem kündigte Abe die Aufrüstung seines Landes in Zusammenarbeit mit den USA an, unter anderem beim Ausbau eines gemeinsamen Raketenabwehrsystems.
Roh sagte, der Atomtest sei "eine schwere Bedrohung für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und in der gesamten Region“. Das südkoreanische Militär sei auf "jegliche Provokation“ aus Nordkorea eingestellt, fügte Roh hinzu. Die Regierung in Seoul kündigte die Aussetzung seiner Hilfslieferungen an Nordkorea an.
Auch China kritisiert Atomtest
Das Außenministerium in Peking erklärte, Nordkorea habe die allgemeine Ablehnung der internationalen Gemeinschaft ignoriert und "auf dreiste Weise“ einen Atomtest vorgenommen. Das russische Außenministerium rief Nordkorea auf, sich an den Atomwaffensperrvertrag zu halten und die Sechs-Parteien-Gespräche über sein Atomprogramm wieder aufzunehmen. Pjöngjang hatte seine Teilnahme an den Gesprächen im November 2005 ausgesetzt. An die in den Atomstreit verwickelten Staaten appellierte Moskau, zurückhaltend auf den Atomwaffentest zu reagieren.
UN-Sicherheitsrat berät über Sanktionen
Der UN-Sicherheitsrat will noch heute über den nordkoreanischen Atomtest beraten. Wie ein Sprecher mitteilte, soll das Thema vor der geplanten Wahl des neuen UN-Generalsekretärs aufgerufen werden. Die USA erwarteten vom Weltsicherheitsrat sofortiges Handeln als Antwort auf diesen "nicht provozierten Akt", hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses in Washington. (joe/dpa/AP/AFP)