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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Matadore und Masochisten



Alpha
27. Februar 2005, 14:22
Politische Diskussionsforen im Internet benötigen jemanden, der aufpasst. Im Web heißt so einer Moderator. Ein Amt mit Tücken: Ein Moderator macht es grundsätzlich keinem recht, ist aber immer an allem schuld. Und Geld bekommt er auch nicht.

So wünscht es sich der Moderator:
Mit festem Blick hält er die Foren-Stiere unter Kontrolle
Der Moderator hat ein angenehmes Leben, wenn man das Berufsbild aus dem Fernsehen zugrunde legt.
In lockerer Runde sitzt er da, von meist prominenten Plauderern umgeben, und sollte einer der Anwesenden ein wenig in Harnisch geraten, dann ist er auf Zuruf wieder still und zivilisiert.
In politischen Diskussionsforen spielt der Moderator eine wesentlich glanzlosere Rolle, fern ab vom Rampenlicht versieht er seinen unbezahlten Dienst im Dunkel der Anonymität.

Womit wir bei einem entscheidenden Merkmal des Internet überhaupt wären.
Denn diese Anonymität macht mancherlei Abstrusitäten möglich:
Das Internet im Allgemeinen und Diskussionsforen im Besonderen sind ein Tummelplatz für Sonderlinge aller Art, der auch weidlich zur Selbstdarstellung genutzt wird.

Aber ist man nicht selbst ein Sonderling, wenn sich das Interesse an politischer Debatte mit dem Willen vereint, solche Foren mit unbezahlter Arbeitszeit zu unterstützen?
Nicht unbedingt, denn man muss kein Überzeugungstäter sein, um als Moderator "Karriere" zu machen:
Am Anfang steht das Interesse am diskutierten Thema.
Man meldet man sich an, liest, nimmt Stellung, streitet und wundert sich. Irgendwann fällt man der örtlichen Obrigkeit auf, die einen, wenn man sich nicht rechtzeitig wehrt, in den verehrungswürdigen Stand des Moderators erhebt.


Da wird der Foren-Moderator neidisch:
Gemessen an den Sitten des Internet darf Sabine Christiansen wöchentlich eine wahre Schönwetter-Moderation genießen.
Und aus ist's mit dem lustigen Streit. Das erste, was zu lernen ist: Man muss eine geradezu bundespräsidiale Gelassenheit und Neutralität an den Tag legen.
Ansonsten verfällt man sofort dem Verdikt, parteiisch zu sein. Und darunter leidet der Nimbus.
Also erlegt sich der Moderator Zurückhaltung auf. Was insofern problematisch ist, weil das viele andere eben nicht tun.
Der Moderator agiert gleichsam mit einer gefesselten Hand.

Kein Wunder angesichts der Tatsache, dass die überwiegende Mehrzahl der User in noch recht jugendlichem Alter und zumeist männlich ist.
Das führt bei manchen schnell zum Imponiergehabe von Jungstieren, an deren Einsichtsfähigkeit zu appellieren völlig nutzlos ist.
Der Moderator, der sich sonst ein friedliebendes Gemüt bescheinigt, ertappt sich zunehmend bei aufsteigenden Gewaltphantasien, die sich beim Austausch mit den Kollegen im internen Kreis gern mit Stoßseufzern á la "Ich könnte ihn erwürgen!" Bahn brechen.
Mit einem Wort, er entdeckt unvermutet bisher nicht geahnte autoritäre Züge an sich.

Ein Lehrstück: Das Eiern im Extremen

Sehr interessant ist übrigens, wie sich hier die Schwierigkeiten der wehrhaften Demokratie im Umgang mit Extremen im Kleinen wiederholen.
Wie weit darf man gehen, wann wird die notwendige Beschneidung zur Willkür?
Soll man die Quälgeister aussitzen und warten, bis sie weiterziehen?
Bei dieser Gratwanderung ist Schwindelfreiheit sehr hilfreich.

Das Leben wird nicht leichter durch die beständig aufkreuzenden sogenannten Forentrolle, deren Mission darin besteht, jedes Thema durch möglichst sinnfreie Einlassungen zu zerstören.
An manchen Tagen sackt der Moderator am Schreibtisch zusammen, reibt sich die Augen und hat das dringende Gefühl, mit den Insassen einer forensischen Klinik zu verhandeln.

Sehr erholsam (und zur Resozialisierung unbedingt anzuraten) sind regelmäßige Auszeiten bzw. Ausflüge ins richtige Leben.
Die sachbedingten längeren Online-Zeiten führen nämlich schnell zu einem gewissen Tunnelblick.
Da ist es dann sehr erfrischend zu erfahren, dass die Frage zum Beispiel nach "artgerechter Lebensführung" doch nicht die Bedeutung besitzt, die ihr manche zuweisen.
Wie auch ein gesundes soziales Umfeld vor aufsteigenden Selbstzweifeln bewahren kann.

Und wer nicht ganz vom virtuellen Pulverdampf lassen kann, dem sei angeraten, sich in einem anderen Forum anzumelden und sich nie, nie zum Moderator ernennen zu lassen.
Dort darf er dann als Otto Normaluser frei von der Leber weg schreiben und auch polemisieren - immer im Rahmen der Regeln, versteht sich.

Doch klaglos loggt sich der Moderator wieder in sein Forum ein, er hat es nicht anders gewollt.
Er könnte auch Briefmarken sammeln, im Himalaja klettern oder endlich seine Steuererklärung erledigen. Stattdessen nimmt er die Muleta in die Hand,
bereit, die Welt zu bessern und den Zorn der Allgemeinheit auf sich zu ziehen.

Es ist ja für einen guten Zweck.

Quelle: Spiegel.de

Der OMbudSman
27. Februar 2005, 14:54
Total Goil!!!!Sinn?;)

Alpha
27. Februar 2005, 15:17
Original geschrieben von DaMMy
Total Goil!!!!Sinn?;)
Es ist traurig wenn dir der Sinn dazu verborgen bleibt :D

H4d3s
27. Februar 2005, 15:28
wahrscheinlich hat irgendein mitleidiger moderatorenkollege einfach mal alphas weg zum mod nacherzählt. (abgesehen davon, daß das hier kein politikforum ist).

darf ich dir eine frage stellen alpha? wurdest du zum moderator überredet, oder warst du sofort einverstanden. und wenn du einverstanden wast, eher mit freude oder eher "einer muß es ja machen"? (sorry, wenn du das schon mal irgendwo beantwortet hast)

speckweckerl
27. Februar 2005, 15:31
der arme kleine moderator -.-
er könnte die welt verändern, würde er seine kräfte nicht einem höheren sinn unterordnen der es ihm untersagt, sich im himalaya was zu beweisen :ugly:

Der OMbudSman
27. Februar 2005, 15:32
@ Alpha
Joa, schon traurig:D

Alpha
27. Februar 2005, 15:41
Original geschrieben von H4d3s

darf ich dir eine frage stellen alpha? wurdest du zum moderator überredet, oder warst du sofort einverstanden. und wenn du einverstanden wast, eher mit freude oder eher "einer muß es ja machen"? (sorry, wenn du das schon mal irgendwo beantwortet hast)

hmm, wie eben beschrrieben, ich habe mich sogar angeboten, ich hatte diese desolate Situation im Forum einfach satt.

ich wollte und konnte, nicht mehr verstehen das Flames und anderes negative Eigenschaften, diese Forum prägten.

Dieser Artikel stellt ja nicht meine direkte Meinung zu unserem Inhl.de Forum dar, vielmehr ist er ein Stoßgebet an das Verständnis der User gegenüber dem allgemeinen Moderartorenposten.

Die Betonung liegt hierbei nunmal auf der Bürde, welche sich durch einem pendelnden Damoklesschwert,und zweier Meinungen der User festigt.

So wird es ei Mod nie allen rechtmachen können, so sehr -ich- dies als user auch gerne getan habe.

Aber um auf deine Frage zurückzukomen.

Ja. Ich mache das gerne. Ich unterhalte mich auch gerne und ich bin gerne hier im forum.
Doch ab und an sucht ein jeder eine gewisse Art "ventil" um sich "lästernderweise" in gewisser Ironie, wieder zu seiner "Arbeit mobiliesieren zu können.

mfg