Wenn virtuelle Diamanten die Menschen verderben

Für das Spiel an sich war die Einführung von Waffen-Skins ein Segen, denn damit sind die Spielerzahlen explodiert und folglich ist die Bekanntheit von CS:GO deutlich gestiegen. Allerdings brachte das auch viele Schattenseiten mit sich und für die Spieler können die Skins manchmal auch zum Fluch werden. Valve hat nämlich einen riesigen Markt mit virtuellen Gegenständen aufgebaut und lässt Wetten und Glücksspiel freien Lauf. Warum letzteres so gefährlich ist, zeigt das Beispiel von csgodiamonds.com und mOE. Die Glücksspielseite mit den Diamanten und der bekannte Streamer waren in einen Betrug verwickelt, der wegen interner Streitigkeiten ans Licht kam. Und wir dürfen davon ausgehen, dass das kein Einzelfall war.

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Zunächst eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse: Um seine Bekanntheit zu steigern, schloß CSGODiamonds einen Vertrag mit mOE ab, damit dieser eine gewisse Zeit seiner Livestreams damit verbringt Glücksspiel auf der Seite zu betreiben. Im Gegenzug bekam mOE einen beachtlichen Anteil des Profits, den die Seite machte. Ein wichtiger Teil des Deals war, dass mOE eine Menge virtueller Diamanten zur Verfügung gestellt bekommt, damit er genügend Spielen kann, aber die möglichen Gewinne nicht erhält, da er ja bereits am Profit der ganzen Seite beteiligt ist. Nach wenigen Wochen kam es zu internen Differenzen. mOE hatte weniger Zeit zum Streamen, da er unter anderem auch bei der E-League mitwirkte und CSGODiamonds sah den Vertrag nicht mehr als ausreichend erfüllt an. Beide Parteien waren scheinbar bereit neu zu verhandeln, allerdings schienen diese Verhandlungen nicht gut zu verlaufen, denn letztendlich entschieden sie sich getrennte Wege zu gehen. Allerdings drohte mOE wenige Tage später öffentlich über Twitter damit die Betreiber der Seite bloßzustellen.

Für alle, die nicht wissen was CSGODiamonds ist: Dort kann man durch ein virtuelles Würfelspiel Skins für CS:GO gewinnen oder eben auch verlieren. Nachdem mOE mit öffentlichen Drohungen und Betrugsanschuldigungen anfing, veröffentlichte CSGODiamonds ein Statement und gab zu, dass sich hinter den Kulissen etwas abspielte. Offensichtlich bekam mOE immer wieder Listen mit den Ergebnissen seiner zukünftigen Würfe. Das führte dazu, dass er praktisch selbst steuern konnte, wann er gewinnt und wann er verliert. Laut CSGODiamonds sollte das der besseren Unterhaltung dienen.

Nachdem es bereits mehrere Fälle von Wettbetrug gab, bei denen Profi-Teams heimlich gegen sich selbst gewettet und dann ein Match absichtlich verloren haben, ist es eigentlich ein Wunder, dass es beim Glücksspiel erst jetzt zum ersten richtigen Skandal kam. Glücksspielseiten zu CS:GO schießen wie Pilze aus dem Boden und oft weiß man nicht, wer eigentlich dahinter steckt und ob auch alles mit rechten Dingen abläuft. Trotzdem wird auf diesen fragwürdigen Seiten fleißig gespielt. Schließlich machen ja bekannte Streamer vor, wie man plötzlich reich an Skins werden kann.

Ein großes Problem ist, dass sich solche Seiten in einer grauen Zone bewegen, denn gesetzlich ist das virtuelle Glücksspiel nicht richtig geregelt und es gibt auch keine Instanz, die für Kontrolle sorgt. Wahrscheinlich ist dieses Phänomen einfach noch zu neu und wird nicht als Problem wahrgenommen bzw. von großen Teilen der Gesellschaft überhaupt nicht wahrgenommen. Die Betreiber solcher Glücksspielseiten können also machen was sie wollen. Sie schnappen sich bekannte Clans, Spieler, YouTuber, Streamer oder andere Persönlichkeiten als Aushängeschild und locken so Kundschaft auf ihre Seite. Was sich hinter den Kulissen abspielt und wie die Gewinnchancen tatsächlich stehen, das weiß niemand so wirklich. Dass dann zu solchen Methoden gegriffen wird wie bei CSGODiamonds ist kein Wunder, schließlich will man sich gegen die Konkurrenz durchsetzen und mehr Profit machen.

Das Schlimmste an diesem Skandal ist aber mOE. Nicht, dass er der Erste ist, der mit fragwürdigen Glücksspielseiten zusammenarbeitet. Sicher haben schon viele vor ihm diverse Deals hinter den Kulissen laufen gehabt. Aber er zeigt, dass für diese Personen, die von so vielen gewöhnlichen Spielern bewundert und gefeiert werden, oft der Profit zählt und dass sie dafür auch ihre Fans und Zuschauer täuschen. Ja, mOE hat einen Fehler gemacht und sicher tut es ihm auch leid. Mit seinem Verhalten während und nach der Enthüllung des Skandals hat er aber den Vogel abgeschossen. Und das muss man ihm persönlich negativ anrechnen.

Er ist ein erwachsener Mensch und eine sehr bekannte Persönlichkeit in der Szene. Er arbeitete sogar vorübergehend als Analyst für die E-League. Er muss sich seiner Verantwortung bewusst sein. Auf solche Betrugsangebote wie das von CSGODiamonds darf er gar nicht erst eingehen. Er hat es aber noch viel schlimmer gemacht, indem er behauptete nicht darauf eingegangen zu sein. Später veröffentlichte Screenshots diverser Skype-Konversationen bewiesen aber eindeutig, dass er sogar aktiv nach Listen mit Ergebnissen gefragt hat. Er gesteht sich seinen Fehler also nur zur Hälfte ein und versucht gleichzeitig die anderen so sehr in den Dreck zu ziehen, dass er selbst besser dasteht. Das mögen ihm seine Fans vielleicht abnehmen, aber für jeden Normaldenkenden hat er durch diverse falsche Statements seine Glaubwürdigkeit verloren. Hat er ernsthaft gedacht er könnte aus dieser Sache als Held herausgehen, der die Bösen entlarvt hat?

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Und dann macht er Aussagen wie: „Ich glaube nicht, dass besonders viele Kinder meinen Stream anschauen.“ DOCH! Da kommt auch gleich ein weiterer wichtiger Punkt ins Spiel. Manche meinen, dass er mit diesem Betrug niemand geschädigt hat. DOCH! Auch das hat er. Zwar nicht direkt, aber indirekt. Was glaubt ihr wieviele junge, unerfahrene Menschen sich seine Streams anschauen und dann denken, dass sie genauso innerhalb kürzester Zeit reich an Skins werden können. Die gehen dann zu CSGODiamonds und verlieren dort ihr Geld. Blöd nur, dass ihnen vorher niemand gesagt hat, dass mOE die Ergebnisse kennt, wenn er Glücksspiel betreibt. Dieser verdiente auch noch an der Tatsache, dass andere Leute ihr Geld bei CSGODiamonds liegen ließen, schließlich bekam er einen Teil des Gesamtprofits.

Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch bewusste Täuschung. Leuten wie mOE ist das aber scheinbar egal, wenn der Profit stimmt. Er hat innerhalb von zwei Monaten eine Summe im sechsstelligen Bereich verdient! Und dann war er auch noch so dreist CSGODiamonds unter Druck zu setzen, um noch mehr Geld herauszuholen, bevor sich die Wege endgültig trennten. Nicht, dass ich CSGODiamonds hier irgendwie in Schutz nehmen will, die Betreiber haben großen Mist gebaut, aber mOE hat im Hintergrund viel dreistere Aktionen abgezogen, als er zugeben will. Er bekam sogar $75.000 als Abfindung, aber CSGODiamonds hätte ihm dieses Geld nicht einmal zahlen müssen. Denn für was soll er eine Abfindung bekommen? Schließlich hat er seinen Teil des Vertrags nicht richtig erfüllt.

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Durch die öffentliche Drohung bei Twitter hat er sich dann aber selbst ins Knie geschossen. Und das nur weil er den Hals nicht vollbekommen konnte. Er wollte tatsächlich auch noch das Guthaben seines Accounts auf der Seite für sich beanspruchen. Guthaben, das er mit unfairen Mitteln erspielt hat und das ihm laut Vertrag nicht zusteht. Dass CSGODiamonds nicht auf seine Erpressung eingeht und letztendlich den Betrug zugibt, damit hat er wohl nicht gerechnet.

Wirklich traurig ist, dass keine der beiden Parteien mit irgendwelchen ernsthaften Konsequenzen rechnen muss. CSGODiamonds ist wahrscheinlich bekannter als je zuvor und mOE hat seine Fans, die sein Verhalten bei diesem Skandal offenbar nicht in Frage stellen. Aber weder irgendeine rechtliche Instanz, noch Valve, das sich gerade wegen solcher Vorfälle von entsprechenden Seiten distanziert oder Twitch, auf dessen Plattform dieser Betrug abgezogen wurde, scheinen irgendetwas unternehmen zu wollen. Wahrscheinlich wird dieser Skandal deshalb schon bald wieder in Vergessenheit geraten. Genau wie das Video, das eindeutig beweist, wie mOE sich Cheats für CS:GO beschafft. Aber das nur am Rande.

Dafür haben wir noch viele weitere Persönlichkeiten, die fragwürdige Kooperationen mit Glücksspielseiten am Laufen haben. Niemand davon kann man bisher einen Betrug wirklich nachweisen, aber man darf seine berechtigten Zweifel an der Echtheit entsprechender Livestreams und Videos haben.